Auf dem FoKo Mitte März 2025 stand erstmals auch eine Session zum Thema „Künstliche Intelligenz in der Gynäkologie“ auf dem Programm. Das Thema ist tatsächlich facettenreicher, als man im ersten Moment vermuten möchte.
Prof. Tanja Fehm, Düsseldorf, referierte zum Thema „KI in der Gynäkologie“ und stellte gleich zu Beginn die Frage: „Wo ist denn die KI schon in der Frauenheilkunde zumindest wissenschaftlich angekommen? Da wir alle noch faxen und die Arztbriefe selber tippen?“
Ein großer Bereich ist die gesamte onkologische Prävention. Die Einführung des zytologischen Krebsabstrichs vor rund 50 Jahren konnte die Inzidenz und Mortalität des Zervixkarzinoms um 60–70 % senken. Heute kann man die zytologischen Abstriche durch KI screenen und Befunde erstellen lassen. Studien zeigen, dass so noch einmal signifikant mehr CIN2+ und CIN 3+ Läsionen detektiert werden, was zu einer signifikant besseren Prävention des invasiven Zervixkarzinoms führt (Link). Dass man damit auch eine deutliche Zeitersparnis hat, versteht sich von selbst. In den USA ist ein solches automatisiertes System bereits zugelassen.
Ähnliches gilt für die Mammografie zur Prävention von Mammakarzinomen. Die PRAIM-Studie, das bisher größte KI-gestützte Radiologie-Projekt in diesem Bereich, hatten wir Ihnen im Januar hier vorgestellt (Link). Und auch beim Ovarialkarzinom gibt es vielversprechende Ergebnisse. Läsionen der Eierstöcke sind häufig und werden oft zufällig entdeckt. Der kritische Mangel an Ultraschallexperten kann hier für verzögerte Krebsdiagnosen sorgen. Deep Learning hat jetzt vielversprechende Ergebnisse bei der Erkennung von Ovarialkarzinomen in Ultraschallbildern gezeigt (Link).
Tatsächlich gibt es auch außerhalb der Gynonkologie viele Bereiche, wo man sich KI vorstellen kann. Angefangen von der Reproduktionsmedizin, wo die optimalen Embryos für den Transfer herausgesucht werden, bis zur Schwangernvorsorge (Überwachung der Mutter durch Sensoren und Wearables, Prädiktion von individuellen Schwangerschaftsrisiken, automatische Erkennung von Fehlbildungen, Analyse von fetalen Herzfrequenzmustern) existieren hier bereits reale Anwendungen.
Zum Beispiel das vom Innovationsfonds des G-BA geförderte Projekt PreFree (Link). Präeklampsie und hypertensive Schwangerschaftsstörungen fordern weltweit jedes Jahr das Leben von fast 76 000 Müttern und 500 000 Säuglingen. Diese lebensbedrohliche Schwangerschaftskomplikation kann durch eine bessere Diagnose, Behandlung und Überwachung verhindert werden. PreFree ist ein KI-gestütztes Entscheidungshilfe-Tool für Ärzte zur Identifizierung von Schwangeren, bei denen ein Risiko für Schwangerschaftskomplikationen, insbesondere Präeklampsie, besteht (Link). PreFree soll das Risiko von Fehldiagnosen verringern, unnötige Krankenhausaufenthalte durch eine patientenzentrierte Fernbetreuung ersetzen.
Ein ganz weites Feld ist auch die Lehre. „Ich halte es für fast schon unethisch, junge Ärzte an e chten Patientinnen üben zu lassen. Es gibt in der Zwischenzeit sehr gute Modelle, an denen praktisch jede Art von Operation simuliert werden kann.“ Müssen Frauenärztinnen und Frauenärzte deshalb fürchten, bald arbeitslos zu sein? Nur dann, wenn man seine Existenzberechtigung in Routinearbeiten sieht, wie auch Prof. Fehm findet. Am Ende Ihres Vortrags zitierte sie Prof. Warner Slack, einen der Pioniere der medizinischen Informatik: „Any doctor that can be replaced by a computer, deserves to be replaced by a computer.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.
Text: Reinhard Merz
Bild: Dall-E für arztCME