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Wenn Algorithmen mitbehandeln: KI im ärztlichen Alltag

31. März 2025

Zwischen Effizienzversprechen, ethischen Dilemmata und ungleichen Marktbedingungen stellt sich die Frage: Wer steuert den Wandel – und in wessen Interesse?

Künstliche Intelligenz hält Einzug in Arztpraxen, Kliniken, Krankenkassen – und in die Gesundheits-Apps der Patienten. Was als technologische Option begann, entwickelt sich rasant zu einem transformativen Prozess mit disruptivem Potenzial. Das aktuelle Thesenpapier der Bundesärztekammer (03/2025) „Künstliche Intelligenz in der Gesundheitsversorgung“ spricht von einer Entwicklung, die „bestehende Technologien, Strukturen und Prozesse maßgeblich verändern oder gar ersetzen“ kann. Die Fragen, die sich daraus ergeben, betreffen nicht nur Technik, sondern auch Ethik, Datenschutz, Rollenverständnis – und die Zukunft des solidarischen Gesundheitssystems.

Digitale Angebote von Unternehmen wie Google, Apple, Amazon oder Microsoft drängen strategisch in den Gesundheitssektor. Wearables, Cloud-Plattformen, personalisierte Empfehlungen – vieles davon basiert auf KI. Während deutsche Kliniken noch mit Interoperabilität kämpfen, kombinieren Technologiekonzerne riesige Datenmengen mit leistungsstarker Rechenpower und agilen Geschäftsmodellen. Das Ziel: eine „KI-gestützte Gesundheitsversorgung“, die zunehmend auch Patienten direkt adressiert. Das birgt Chancen – etwa für personalisierte Prävention oder schnellere Diagnosen –, aber auch Risiken: Wer kontrolliert die Algorithmen? Und was bedeutet es, wenn Krankenkassen auf Basis von §25b SGB V Versicherte auf Gesundheitsrisiken hinweisen – ohne Rückkopplung mit der behandelnden Ärztin?

Die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) im Opt-out-Verfahren ab 2025 wird zum Dreh- und Angelpunkt für KI in der Medizin. Die Daten aus Klinik, Praxis, Apps und Krankenkassen sollen künftig interoperabel, zentral und KI-tauglich zur Verfügung stehen – für Forschung, Versorgung und Management. Die Digitalisierung wird damit zum Vehikel für datengetriebene Medizin, aber auch zum politischen Projekt. Die Frage ist nicht nur, wie viele Daten verfügbar sind, sondern auch, wie gut sie sind: Verzerrte Trainingsdaten, uneinheitliche Standards und die Angst vor gläsernen Patienten werfen neue ethische Fragen auf. Datenschutz müsse, so fordern Experten, nicht als Verhinderung, sondern als Ermöglichung gemeinwohlorientierter Datennutzung verstanden werden. Kurzfristig wird KI vor allem dort eingesetzt, wo sie Prozesse beschleunigt: Terminplanung, Dokumentation, Rechnungsprüfung. Kliniken wie das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf nutzen KI-Sprachmodelle zur Erstellung von Arztbriefen, Krankenkassen setzen Chatbots für Versichertenkommunikation ein. Der Nutzen: Zeitersparnis, weniger Bürokratie, mehr Ressourcen für ärztliche Kernaufgaben.

Doch Vorsicht: Automatisierung darf nicht zu „digitaler Bürokratie“ führen – und entlastete Ärzte sollten nicht in mehr Fallzahlen, sondern in mehr sprechende Medizin investieren können. Die Rolle der Patienten verändert sich fundamental. Wearables liefern kontinuierlich Gesundheitsdaten, KI-Apps liefern Therapieoptionen – oft in Echtzeit. Das klassische Arzt-Patient-Verhältnis wird neu definiert: hin zu einem partizipativen Modell, in dem Wissen nicht nur vom Arzt an den Patienten fließt, sondern auch umgekehrt. Ärzte sehen sich zunehmend mit informierten, selbstbewussten Patienten konfrontiert, die Daten und KI-gestützte Empfehlungen in die Gespräche einbringen. Das fordert nicht nur medizinisches Fachwissen, sondern auch Kommunikationskompetenz und Offenheit für ein neues Rollenverständnis.

Die Bundesärztekammer bringt es auf den Punkt: „Technologie kann menschliche Beziehungen nicht ersetzen – insbesondere nicht im Bereich der medizinischen Versorgung.“ Umso wichtiger ist es, die Chancen von KI verantwortungsvoll zu nutzen – und den Wandel aktiv mitzugestalten.

 

Text: Redaktion arztCME

Bild: DALL-E für arztCME

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